{"id":2565,"date":"2025-08-28T09:52:17","date_gmt":"2025-08-28T07:52:17","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.realportico.de\/?p=2565"},"modified":"2025-08-28T09:58:31","modified_gmt":"2025-08-28T07:58:31","slug":"interview-klassizistisches-herrenhaus-bei-hamburg-ein-guter-geist-sucht-neue-hueter-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.realportico.de\/?p=2565","title":{"rendered":"Interview: Klassizistisches Herrenhaus bei Hamburg \u2013 ein guter Geist sucht neue H\u00fcter"},"content":{"rendered":"<p>Schleswig-Holstein, das n\u00f6rdlichste deutsche Bundesland, ist neben Mecklenburg-Vorpommern gepr\u00e4gt von einer weitl\u00e4ufigen, bis heute sichtbaren und gepflegten Gutslandschaft. Politische und gesellschaftliche Entwicklungen nach 1945 hinterlie\u00dfen auch hier ihre Spuren, doch im Gegensatz zu Ostdeutschland gab es keine gro\u00dffl\u00e4chigen Enteignungen. Viele G\u00fcter zwischen den Meeren blieben \u00fcber Generationen in Privatbesitz und werden bis heute bewirtschaftet \u2013 Einblicke in die H\u00e4user und das pers\u00f6nliche Umfeld der Eigent\u00fcmer sind daher selten und wertvoll.<\/p>\n<p>Das <a href=\"\/expose\/herrenhaus-lennepark-naehe-hamburg\/100002119083584\">Herrenhaus Niendorf bei Hamburg<\/a> im Herzogtum Lauenburg \u2013 ein wohl proportionierter, klassizistischer norddeutscher Backsteinbau \u2013 beginnt nach langj\u00e4hrigem Familienbesitz ein neues Kapitel, das im Wandel der Generationen viele Schl\u00f6sser und Herrenh\u00e4user erreicht.<\/p>\n<p>Die Weitergabe eines historischen Anwesens, in dessen Mauern viele Jahrzehnte Familiengeschichte ruhen, ist stets eine emotionale Angelegenheit. Sie erfordert Vorbereitung, gezielte Ansprache und oft auch Geduld. Eine authentische Immobilie in einer Metropolregion wie Hamburg sowie das begrenzte Angebot vergleichbarer Objekte in Schleswig-Holstein sind erste wichtige Argumente f\u00fcr einen w\u00fcrdigen Nachfolger.<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch \u00f6ffnet Eigent\u00fcmerin Nicola von Hollander die T\u00fcren und berichtet von bedeutenden Pers\u00f6nlichkeiten der Vergangenheit und Gegenwart, von turbulenten Tatort-Drehtagen, Pflege und Erhalt und teilt ihre Visionen f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n<hr>\n<h4>Inhaltsverzeichnis<\/h4>\n<ol class=\"blog-nav\">\n<li><a href=\"#header1\" class=\"scrollSpy\">Ein neues Kapitel nach Jahrhunderten<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#header2\" class=\"scrollSpy\">Momente, die bleiben: Lieblingspl\u00e4tze und Erinnerungen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#header3\" class=\"scrollSpy\">Tatort im eigenen Haus<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#header4\" class=\"scrollSpy\">Von Filmsets zu echten Besuchern<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#header5\" class=\"scrollSpy\">Gutsh\u00e4user im Herzogtum Lauenburg: Vernetzung und Austausch<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#header6\" class=\"scrollSpy\">Denkmalschutz und Beh\u00f6rden: Zusammenarbeit vor Ort<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#header7\" class=\"scrollSpy\">Heizen, Energie und Nachhaltigkeit<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#header8\" class=\"scrollSpy\">Kein Herrenhaus ohne (Lenn\u00e9-)Park<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#header9\" class=\"scrollSpy\">Visionen f\u00fcr die Zukunft: Ideen, die bleiben<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<h2 class=\"m-t-40 fontBold\" id=\"header1\">1. Frau Hollander, welche Gedanken begleiten Sie beim Weitergeben Ihres langj\u00e4hrigen Familienbesitzes?<\/h2>\n<p>Es ist emotional immer schwer, ein St\u00fcck Familiengeschichte weiterzugeben. Doch Familien ver\u00e4ndern sich, die Lebenswege der Erben ebenfalls \u2013 und auch die Kr\u00e4fte, die man aufbringen kann, sind nicht unbegrenzt.<\/p>\n<p>Mir ist wichtig, selbst zu entscheiden, in welche H\u00e4nde Herrenhaus und Park gehen. F\u00fcr mich sind sie Pers\u00f6nlichkeiten, die Kraft und Inspiration schenken, zugleich aber auch Energie und Engagement erfordern. Ich w\u00fcnsche beiden neue Ideen, eine finanzielle St\u00e4rkung und ein belebendes neues Kapitel. Denn im Wandel liegt auch eine besondere Kraft.<\/p>\n<p>F\u00fcr unsere Familie war das Herrenhaus zudem ein Ort des \u00dcberlebens: Meine Gro\u00dfeltern, meine Mutter und Freunde aus Berlin fanden hier w\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus Zuflucht \u2013 Menschen, die es sonst wohl nicht geschafft h\u00e4tten. Deshalb nenne ich diesen Ort auch unsere &#8222;Arche Noah&#8220;.<\/p>\n<p>Gerade in den aktuellen politischen Zeiten k\u00f6nnte man versucht sein, das Haus unbedingt zu halten. Doch mit der Verantwortung, die ein solches Anwesen mit sich bringt, werden sich meine pers\u00f6nlichen W\u00fcnsche irgendwann nicht mehr vereinbaren lassen. Daher hoffe ich sehr, Menschen zu finden, die diese Verantwortung mit Freude \u00fcbernehmen, dem Herrenhaus mit ihren M\u00f6glichkeiten guttun und zugleich die Nachbarschaft und die Netzwerke im Dorf wie in der Region sch\u00e4tzen und nutzen.<\/p>\n<h2 class=\"m-t-40 fontBold\" id=\"header2\">2. Erhalt, Pflege und Wirtschaftlichkeit historischer Immobilien stellen Eigent\u00fcmer vor gro\u00dfe Herausforderungen. Und doch gibt es Momente, die all dies vergessen lassen. Welcher war Ihr sch\u00f6nster Moment im Herrenhaus \u2013 und was werden Sie am meisten vermissen?<\/h2>\n<p>In einem solchen Haus l\u00e4sst sich kaum ein einzelner, sch\u00f6nster Moment bestimmen \u2013 es sind zu viele, um einen hervorzuheben. Besonders sch\u00f6n ist es f\u00fcr mich jedoch, auf der \u00fcberdachten Veranda zu sitzen, bei Wind, Regen, Sonne oder Schnee, und in den Park zu blicken: eine intakte Natur voller Geschichte und Geschichten. Diese Aussicht werde ich am meisten vermissen.<\/p>\n<p>Auch die friedlich weidenden Schafe, die in den Baumkronen schnatternde Reiherkolonie und die Froschges\u00e4nge hoffe ich, in meiner Erinnerung stets zu bewahren.<\/p>\n<h2 class=\"m-t-40 fontBold\" id=\"header3\">3. Das weiter n\u00f6rdlich gelegene Schloss Grabau ist als &#8222;Geisterschloss&#8220; bekannt, dagegen wirkt Ihr Haus alles andere als gespenstisch. Was hat das Filmteam \u00fcberzeugt, Niendorf f\u00fcr die Tatort-Folge &#8222;Borowski und das Haus der Geister&#8220; zu w\u00e4hlen und wie haben Sie die Dreharbeiten erlebt?<\/h2>\n<p>Wenn Drehbuch auf Denkmal trifft, kann man sagen: &#8222;Denk-Mal&#8220; \u2013 und es geht doch. Auch wenn man denkt, dass ein Kachelofen nicht angestrichen werden darf, geschieht es manchmal trotzdem. W\u00e4hrend der Dreharbeiten erkennt man das eigene Haus zeitweise kaum wieder. Doch sobald das Filmteam abzieht, ist alles wieder wie zuvor \u2013 oft sogar sch\u00f6ner.<\/p>\n<p>Die Tatort-Folge <i>Borowski und das Haus der Geister<\/i> passte perfekt zum Herrenhaus, denn hier leben, sozusagen, gute Geister. Axel Milberg musste sie also nicht suchen. \u00dcberdies kannte er den Ort durch meinen Gro\u00dfvater Walther von Hollander und dessen Radiosendung \u201aWas wollen Sie wissen\u2018 im NDR \u2013 Milberg wuchs mit dieser ersten Call-In-Sendung im deutschen Radio auf und bezeichnete sie als \u201eKult\u201c. Ich denke, dass er bei der Auswahl von Orten und Drehb\u00fcchern durchaus mitsprach.<\/p>\n<p>Da ich selbst Erfahrung im Filmgesch\u00e4ft habe, war mir der Aufwand bewusst und nicht \u00fcberraschend. Dennoch stellte ich mich erstaunt die Frage, warum ein gro\u00dfes B\u00fccherregal zun\u00e4chst von Wei\u00df auf Gr\u00fcn und wieder zur\u00fcck gestrichen werden musste. Besonders beeindruckt haben mich die feinen Details wie Zuckerguss auf M\u00f6beln und Kacheln.<\/p>\n<p>Die technische Seite ist enorm: Die Beleuchtung ist in jeder Produktion entscheidend und unverzichtbar. Starkstrom, riesige Strahler an Kr\u00e4nen \u2013 alles, um R\u00e4ume wie das Obergeschoss von au\u00dfen zu erhellen und die Nacht zum Tag zu machen. Das Herrenhaus war w\u00e4hrenddessen praktisch einger\u00fcstet.<\/p>\n<p>Filmproduktion bedeutet Aufwand. Aber f\u00fcr ein Geb\u00e4ude wie dieses Herrenhaus ist es die richtige B\u00fchne: Jahrhunderte Geschichte, robuste Substanz und immer offen f\u00fcr neue Geschichten.<\/p>\n<h2 class=\"m-t-40 fontBold\" id=\"header4\">4. Hat die Rolle als Drehort die Bekanntheit Ihres Hauses gesteigert? Erhalten Sie seither weitere Anfragen von Film- oder Medienproduktionen? Oder sprechen Sie auch Besucher gezielt auf die Tatort-Folge an?<\/h2>\n<p>Es ist schwer zu sagen, ob die Tatort-Folge die Bekanntheit des Hauses signifikant gesteigert hat. Im Vergleich dazu war das benachbarte Schloss Wotersen in der ZDF-Serie \u201aDie Guldenburgs\u2018 regelm\u00e4\u00dfig im Bild, sodass damals sogar Busse bei uns vorfuhren \u2013 die Besucher fragten, ob sie \u201aGuldenburg\u2018 erreicht h\u00e4tten, obwohl Schloss Wotersen gelb gestrichen ist und kein Backsteinbau wie unser Herrenhaus.<\/p>\n<p>Unser Haus kam &#8222;nur&#8220; in einer Tatort-Folge vor. Location-Scouts meldeten sich nach der Ausstrahlung in der ARD, teils weil es als Drehort gelistet ist. Heute ver\u00e4ndert sich die Suche nach Drehorten zunehmend durch KI \u2013 auch das wirkt sich auf das Filmgesch\u00e4ft aus.<\/p>\n<p>Beim j\u00e4hrlich stattfindenden &#8222;Tag des offenen Denkmals&#8220; sprechen mich Besucher immer wieder auf die Tatort-Verfilmung an, ebenso wie andere G\u00e4ste des Herrenhauses.<\/p>\n<h2 class=\"m-t-40 fontBold\" id=\"header5\">5. Im Herzogtum Lauenburg gibt es eine hohe Dichte an Herrenh\u00e4usern \u2013 zum Beispiel Schloss Wotersen, bekannt aus der Serie &#8222;Das Erbe der Guldenburgs&#8220;. Gibt es in der Region ein Gutshausnetzwerk, \u00e4hnlich wie in Mecklenburg, in dem sich Eigent\u00fcmer austauschen?<\/h2>\n<p>Obwohl es im Herzogtum Lauenburg mehrere gro\u00dfe Herrenh\u00e4user gibt, sind wir Eigent\u00fcmer nicht direkt miteinander vernetzt. Man kennt sich zwar, doch ein formelles Austauschnetzwerk existiert nicht.<\/p>\n<p>Ich selbst bin Mitglied im Verein &#8222;Historische G\u00e4rten&#8220; in Schleswig-Holstein \u2013 ein wunderbares Netzwerk f\u00fcr Park- und Garteninteressierte. Es bietet Unterst\u00fctzung, Beratung und die M\u00f6glichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.<\/p>\n<h2 class=\"m-t-40 fontBold\" id=\"header6\">6. Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den lokalen Beh\u00f6rden erlebt \u2013 insbesondere hinsichtlich Kommunikation, Genehmigungen und Kooperationsbereitschaft? Gab es dabei jemals ernsthafte Interessenkonflikte, die Projekte verhindert haben, oder kennen Sie bemerkenswerte F\u00e4lle aus der Nachbarschaft?<\/h2>\n<p>Die Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt ist l\u00f6sungsorientiert und variiert von Fall zu Fall. Teilweise geht es um den denkmalgerechten Baustoff, teils um grundlegende Genehmigungen.<\/p>\n<p>Das Herrenhaus selbst darf nicht umfassend umgebaut werden \u2013 etwa um mehrere zus\u00e4tzliche B\u00e4der pro Zimmer einzurichten. Da auch der Park unter Denkmalschutz steht, sind bauliche Ver\u00e4nderungen in der Fl\u00e4che nur sehr eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich, allenfalls in unmittelbarer N\u00e4he des Hauses. Jede Baumsanierung wird beim Denkmalamt eingereicht, ebenso wie Sanierungen von Stuck, Nebengeb\u00e4uden oder anderen historischen Elementen.<\/p>\n<p>Wer mit Denkmalschutz zu tun hat, wei\u00df: Viele Restriktionen, wenig F\u00f6rdermittel. Dennoch wurden bisher immer praktikable L\u00f6sungen gefunden, denn auch die Mitarbeiter des Denkmalamtes wissen, dass ein solches Anwesen nur mit moderner Technik erhalten werden kann.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich lassen sich im Rahmen des Denkmalschutzes nicht nur Sanierungskosten steuerlich geltend machen, es gibt auch besondere Steuererleichterungen.<\/p>\n<h2 class=\"m-t-40 fontBold\" id=\"header7\">7. Das energetisch effiziente Heizen gro\u00dfer historischer Geb\u00e4ude ist heute ein hochaktuelles Thema. Wie denken Sie dar\u00fcber, und welche Empfehlungen w\u00fcrden Sie k\u00fcnftigen Eigent\u00fcmern geben, um das Haus nachhaltig und zukunftsf\u00e4hig zu betreiben?<\/h2>\n<p>Das Heizen ist ein entscheidender Kostenfaktor bei einem Herrenhaus. Unser Haus verf\u00fcgt noch \u00fcber einen \u00d6lbrenner, den ich jedoch nur im Hintergrund betreibe. Er ist digital mit der 2018 installierten Holzscheit-Heizung gekoppelt.<\/p>\n<p>Die Anlage kann k\u00fcnftig mit einem Pellet-System erweitert werden, um das \u00d6l zu ersetzen und sogar eigenen Strom zu erzeugen. Den Holzscheit-Ofen betreibe ich ausschlie\u00dflich mit Holz aus dem eigenen Park \u2013 mein pers\u00f6nlicher &#8222;\u00d6ko-Kreislauf&#8220;: Es wird nur Totholz oder gefallenes Holz genutzt, nachwachsende B\u00e4ume bleiben erhalten, und kein zus\u00e4tzliches Holz muss gekauft werden.<\/p>\n<p>Solare Anlagen sind im Denkmal nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich, jedoch gibt es inzwischen Dachpfannen mit integrierten Solarmodulen. Meinen k\u00fcnftigen Eigent\u00fcmern w\u00fcrde ich moderne Technologien empfehlen, um die \u00d6l-Heizung zu ersetzen \u2013 zum Beispiel Geothermie oder ein kleines Blockheizkraftwerk im Hof, sorgf\u00e4ltig in die historische Substanz integriert.<\/p>\n<p>Dank der extrem dicken W\u00e4nde des Herrenhauses ist es sehr stabil, und mit den heutigen technischen M\u00f6glichkeiten sehe ich keinerlei Probleme, das Anwesen nachhaltig, komfortabel und energieeffizient zu betreiben.<\/p>\n<h2 class=\"m-t-40 fontBold\" id=\"header8\">8. Der Park von Schloss Niendorf wurde vom ber\u00fchmten Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenn\u00e9 gestaltet. Was macht ihn f\u00fcr Sie besonders, haben Sie eine Lieblingsecke, und ist die Pflege des Parks trotz des Aufwands eine Quelle der Inspiration oder ein wohltuender Ausgleich?<\/h2>\n<p>Herzst\u00fcck des Herrenhauses ist zweifellos der Park \u2013 meine \u201agr\u00fcne Lunge\u2018 und mein Lebenselixier. Als \u201aDrau\u00dfen-Mensch\u2018 arbeite ich gern bei Sonne, Wind und Wetter. Die sechs Hektar strahlen Kraft und Energie aus, nicht zuletzt durch die jahrhundertealten B\u00e4ume.<\/p>\n<p>Peter Joseph Lenn\u00e9 entwarf den Park so, dass sich die Baumreihen in die umliegende Landschaft fortsetzen. Besonders sch\u00f6n ist die s\u00fcdwestliche Ecke mit einer Lindenallee, die sich entlang von Eichen in die angrenzende Landstra\u00dfe fortsetzt. Einst geh\u00f6rte alles dem Gutsbesitzer; heute geh\u00f6rt das Ackerland zur Kreisdom\u00e4ne, der Feldweg ist Gemeindeland.<\/p>\n<p>Der Park selbst ist bewusst naturnah gestaltet, mit zentralen Gr\u00fcnfl\u00e4chen, umgeben von einem Waldsaum, der Ruhe und R\u00fcckzug erm\u00f6glicht. Hinter dem Herrenhaus f\u00fchlt man sich &#8222;weg von der \u00fcbrigen Welt&#8220;. Lenn\u00e9 setzte auf Wiesen, Weiden, Baumlinien und Waldfl\u00e4chen mit Solit\u00e4rb\u00e4umen \u2013 letztere existieren heute nur noch auf historischen Karten.<\/p>\n<p>Historisch befand sich im heutigen Park eine raubritterliche Wasserburg mit Zugbr\u00fccke. Sie lag genau an der Stelle, an der sich heute die Achsen des Parks kreuzen. Die Wasserburg wurde mehrfach zerst\u00f6rt und wieder aufgebaut, da die Raubritter Handelstreibende auf der nahegelegenen <i>Alten Salzstra\u00dfe<\/i> \u00fcberfielen. Unser heutiges Herrenhaus steht in Ost-West-Ausrichtung an anderer Stelle und blickt sozusagen auf die ehemalige Wasserburg \u2013 ein Ort voller Geschichte und Geschichten.<\/p>\n<h2 class=\"m-t-40 fontBold\" id=\"header9\">9. Ihr Gro\u00dfvater Walther von Hollander entwickelte in den 1950er Jahren die erste Call-In-Sendung Deutschlands \u2013 ein Meilenstein der Mediengeschichte. Welche Ideen k\u00f6nnten die neuen Eigent\u00fcmer hier umsetzen, damit das Haus in der n\u00e4chsten Dekade erneut Geschichte schreibt?<\/h2>\n<p>Jeder Eigent\u00fcmer bringt einen pers\u00f6nlichen Hintergrund und eigene Ideen mit. Das Herrenhaus und der Park k\u00f6nnen ein Familiensitz f\u00fcr mehrere Generationen sein, ebenso aber ein Ort f\u00fcr Stiftungen oder Firmen, um Visionen zu entwickeln und umzusetzen.<\/p>\n<p>Es eignet sich hervorragend f\u00fcr Retreats oder Weiterbildungen in der N\u00e4he von Hamburg und L\u00fcbeck, nur zwei Autostunden von Berlin entfernt. Ebenso kann es ein Ort f\u00fcr Kreative sein \u2013 etwa f\u00fcr &#8222;Artists in Residence&#8220; \u2013 oder f\u00fcr Vision\u00e4re wie Digital-Nerds, die Neues erschaffen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Der Park bietet dabei einen hervorragenden Raum zum Denken und Planen. Ich habe dort viele meiner besten Konzepte entwickelt \u2013 so wie es vermutlich auch meinem Gro\u00dfvater und seinem Freund Axel Springer erging, als sie hier \u00fcber eine Verlagsgr\u00fcndung nachdachten. Ruhe und R\u00fcckzug sind die Kraftquellen f\u00fcr neue Gedanken und Visionen.<\/p>\n<div class=\"m-t-40\"\/>\n<hr\/>\n<p>Wo einst Mediengeschichte geschrieben wurde, \u00f6ffnet sich heute ein Raum f\u00fcr neue Ideen, in dem Vergangenheit und Zukunft in einen Dialog treten. Das Umfeld zwischen Hamburgs urbaner Energie, den Gutslandschaften Schleswig-Holsteins und Mecklenburgs, ruhigen Seen und dem Meeresrauschen in der Ferne, macht Niendorf zu einem kraftvollen Wirkungs- und R\u00fcckzugsort.<\/p>\n<p>Das Beste zum Schluss: Der gute Geist des Hauses bleibt vor Ort \u2013 als stiller Zeuge vergangener Jahrzehnte, als Begleiter neuer Ideen f\u00fcr die kommenden Dekaden und als W\u00e4chter der guten Seele.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schleswig-Holstein, das n\u00f6rdlichste deutsche Bundesland, ist neben Mecklenburg-Vorpommern gepr\u00e4gt von einer weitl\u00e4ufigen, bis heute sichtbaren und gepflegten Gutslandschaft. Politische und gesellschaftliche Entwicklungen nach 1945 hinterlie\u00dfen auch hier ihre Spuren, doch im Gegensatz zu Ostdeutschland gab es keine gro\u00dffl\u00e4chigen Enteignungen. 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