{"id":4082,"date":"2026-06-01T12:23:10","date_gmt":"2026-06-01T10:23:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.realportico.de\/?p=4082"},"modified":"2026-06-04T20:50:07","modified_gmt":"2026-06-04T18:50:07","slug":"die-roemerburg-am-poestlingberg-in-linz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.realportico.de\/?p=4082","title":{"rendered":"Wenn Materie Geschichten erz\u00e4hlt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Gespr\u00e4ch mit der K\u00fcnstlerin und Biologin Michaela Frank \u00fcber ihren Dialog mit dem heiligen Ort innerhalb der historischen Festungsarchitektur am P\u00f6stlingberg<\/strong><\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]\"><em><br \/>\nLinz liegt an der Donau, dort wo das M\u00fchlviertel auf das Alpenvorland trifft. Der P\u00f6stlingberg \u00fcberragt die Stadt im Nordwesten; in den 1830er-Jahren war er als Teil der Maximilianischen Turmlinie, einem Habsburger Befestigungsg\u00fcrtel um Linz, von strategischer Bedeutung. Die Basilika, die Stadtsilhouette, der Blick \u00fcber das M\u00fchlviertel: Der Berg hat eine eigene Gravitation. Direkt neben der Wallfahrtskirche steht ein Haus, das \u00e4lter ist als die Basilika selbst. Eine <a href=\"https:\/\/www.realportico.de\/expose\/oesterreich-linz-historische-immobilie-basilika-poestlingberg\/100002143805058\">Biedermeierresidenz mit Substanz aus dem fr\u00fchen 19. Jahrhundert<\/a>, urkundlich erw\u00e4hnt als erstes Schulhaus am Berg, sp\u00e4ter Devotionalienhandel, seit 1902 in Familienbesitz.<\/em><\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]\"><em>Die Frau, die dieses Haus \u00fcber Jahrzehnte gepr\u00e4gt hat, ist Biologin, Bildhauerin, Keramikerin und Kunsttherapeutin und, wie sie selbst sagt, ein totaler Gestaltungsmensch. Sie hat das Geb\u00e4ude aus dem Verfall geholt, jahrhundertealte Rechtsprobleme gel\u00f6st, Lichtkonzepte entwickelt, die kein Techniker verstand und ein keramisches Christkindl geschaffen, das die Di\u00f6zese ankaufte. Jetzt gibt sie es weiter.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4103 aligncenter\" src=\"https:\/\/blog.realportico.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/michaela-frank.jpg\" alt=\"\" width=\"836\" height=\"539\" \/><br \/>\n<em>Michaela Frank, Biologin, Bildhauerin und Kunsttherapeutin.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]\"><strong>1. Frau Frank, was hat Sie bewogen, ausgerechnet hier zu leben und zu arbeiten?<\/strong><\/p>\n<p>Als K\u00fcnstlerin brauche ich eine Umgebung, die mich innerlich anspricht. Hier ist die Stadt ganz nah und wirkt zugleich ein St\u00fcck entfernt. Der Blick \u00fcber Linz und die Donaulandschaft sowie die besondere Topografie des P\u00f6stlingbergs mit seinen alten T\u00fcrmen und Verteidigungsstrukturen tragen wesentlich dazu bei. Als ich zum ersten Mal hierherkam, wusste ich sofort: Hier kann ich frei atmen. Hier will ich leben und arbeiten.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]\"><strong>2. Das Haus war seit 1902 in Familienbesitz und stand lange leer. Ihr Stiefvater nannte es die &#8222;alte R\u00f6merburg&#8220; und wollte es verfallen lassen. Wie haben Sie und Ihre Mutter die Entscheidung getroffen, es zu retten?<\/strong><\/p>\n<p data-start=\"337\" data-end=\"644\">Das ist schwer rational zu erkl\u00e4ren. Es gibt H\u00e4user, die man betritt und sofort wieder verl\u00e4sst. Und dann gibt es H\u00e4user, bei denen man zun\u00e4chst vieles wahrnimmt, aber unsicher bleibt und \u00fcberlegen muss. Und schlie\u00dflich gibt es diesen seltenen Moment, in dem man sp\u00fcrt: Da ist etwas. Genau so war es hier.<\/p>\n<p data-start=\"651\" data-end=\"851\">Wir haben das Haus gesehen und wussten beide ziemlich schnell, dass wir es retten wollen. Das war keine rationale \u00dcberlegung, sondern eher eine unmittelbare Zuneigung und ein Gef\u00fchl der Verbundenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\" data-start=\"651\" data-end=\"851\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4152 aligncenter\" src=\"https:\/\/blog.realportico.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/poestlingsberg-zeichnung.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"499\" \/><br \/>\n<em>Der P\u00f6stlingberg mit der &#8222;R\u00f6merburg&#8220; um 1849 &#8211; Zeichnung des Linzer Malers Leopold Zinn\u00f6gger<\/em><\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]\"><em><br \/>\n<\/em><strong>3. Sie beschreiben den Umbau als \u201evierzigj\u00e4hrigen Dialog mit der Bausubstanz&#8220;. Was bedeutet das konkret \u2014 wie lernt man, einem Haus zuzuh\u00f6ren?<\/strong><\/p>\n<p>Man setzt sich in den Raum und l\u00e4sst ihn zun\u00e4chst einfach wirken \u2013 ohne Konzept, ohne Eingriff. Man beobachtet Licht, Proportionen und Atmosph\u00e4re, immer wieder, \u00fcber l\u00e4ngere Zeit. Daraus entwickeln sich langsam Bilder und M\u00f6glichkeiten. Und irgendwann entsteht ein Punkt, an dem man wei\u00df: So kann es gehen. Ab dann beginnt die Umsetzung.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]\"><strong>4. Wie haben Sie die Abstimmung mit dem Denkmalschutz und Ihren eigenen gestalterischen Anspruch in Einklang gebracht?<\/strong><\/p>\n<p>Der Denkmalschutz war f\u00fcr mich kein Konfliktfeld. Das liegt sicher daran dass sich der Denkmalschutz hier prim\u00e4r auf den Fassadenschutz und Ensembleschutz bezieht und\u00a0 nicht auf den Innenraum. Ein historisches Geb\u00e4ude hat eine starke eigene Pr\u00e4senz, die man respektieren muss. Mein Ziel war keine museale L\u00f6sung, sondern eine zeitgem\u00e4\u00dfe Weiterf\u00fchrung mit Komfort, die den Charakter des Hauses erh\u00e4lt. Ich war mir immer der \u00e4sthetischen Grenzen eines modernen Umbaus bewusst. Ich wollte keine Konkurrenz baulicher Zeiten sondern eine gelebte Entwicklung. Insgesamt gab es nur zwei Abstimmungen zwischen meiner Architektin und dem Bundesdenkmalamt.<\/p>\n<p>Meine gestalterischen Vorstellungen waren von Anfang an klar: Ein Wintergarten \u00fcber dem ehemaligen Gesch\u00e4ftsbereich, um das Haus zur Landschaft hin zu \u00f6ffnen, sowie eine Terrasse im r\u00fcckw\u00e4rtigen Dachbereich. Diese beiden Eingriffe sollten den Bestand nicht brechen, sondern seine Struktur weiterdenken und dabei die urspr\u00fcngliche Form des Hauses zitieren. Erg\u00e4nzt wurde das durch sehr konkrete funktionale W\u00fcnsche. Ich wollte eine Badewanne im Altbau, einen Lift und eine m\u00f6glichst offene Raumsituation. Alles davon lie\u00df sich in Abstimmung mit der Beh\u00f6rde umsetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4112 aligncenter\" src=\"https:\/\/blog.realportico.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/denkmal-poestlingsberg-sanierung.jpg\" alt=\"\" width=\"875\" height=\"689\" \/><br \/>\n\u00d6ffnung des seitlichen Dachbereiches an die Kirche angrenzend<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4121 aligncenter\" src=\"https:\/\/blog.realportico.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/denkmal-poestlingsberg-dach-innenausbau.jpg\" alt=\"\" width=\"885\" height=\"592\" srcset=\"https:\/\/blog.realportico.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/denkmal-poestlingsberg-dach-innenausbau.jpg 1535w, https:\/\/blog.realportico.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/denkmal-poestlingsberg-dach-innenausbau-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.realportico.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/denkmal-poestlingsberg-dach-innenausbau-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/blog.realportico.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/denkmal-poestlingsberg-dach-innenausbau-768x513.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 885px) 100vw, 885px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"center\">Aufbau \u00fcber dem ehemaligen Gesch\u00e4ftsbereich: ein Blick in die Weite<br \/>\nDer Eingriff war einer der wenigen, die das \u00e4ussere Erscheinungsbild des Hauses ver\u00e4nderten<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]\"><strong>5. Die Lichtgestaltung war eine jahrelange Herausforderung. Sie sagen, Sie h\u00e4tten das keinem Architekten \u00fcberlassen k\u00f6nnen. Was macht Licht in einem historischen Haus so schwierig \u2014 und was haben Sie schlie\u00dflich gefunden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left\" data-start=\"1371\" data-end=\"1630\">Ich w\u00fcrde nicht sagen, dass es grunds\u00e4tzlich schwierig war, aber es gab von Anfang an ein sehr klares inneres Konzept, das sich nur schwer in technische Sprache \u00fcbersetzen l\u00e4sst. Mir ging es darum, die historische Architektur durch Licht \u00fcberhaupt erst erfahrbar zu machen und bestimmte R\u00e4ume wie auf einer B\u00fchne zu inszenieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\" data-start=\"1371\" data-end=\"1630\">Jede Entscheidung begann mit der Frage: Wie f\u00e4llt das Licht und wie wirkt der Raum? Auch bei Spots stellte sich immer wieder die gleiche Frage: Wie wirken Lichtkegel und Schatten zueinander? Denn entscheidend ist nicht nur das Licht selbst, sondern das Muster, das es im Raum hinterl\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\" data-start=\"1371\" data-end=\"1630\">Ein Beispiel war das untere Gew\u00f6lbebad. Eine urspr\u00fcnglich ausgew\u00e4hlte Lampe erzeugte nach der Montage einen tiefroten Lichtschein auf den wei\u00dfen Fliesen \u2013 das war nicht das, was ich wollte. Am Ende wurde es eine sehr einfache, reduzierte L\u00f6sung f\u00fcr Feuchtr\u00e4ume. Oft waren es gerade die schlichten L\u00f6sungen, die funktioniert haben. Genau daraus entsteht die visuelle Sprache des Hauses. Ich wollte eine ganz klare, kompromisslose visuelle Sprache.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4155 aligncenter\" src=\"https:\/\/blog.realportico.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/lichtdesign.jpg\" alt=\"\" width=\"891\" height=\"596\" \/><br \/>\n<em>Der grosse Wohnraum von oben. Die Lichtf\u00fchrung folgt der Geometrie des Dachstuhls<br \/>\n<\/em><em>Die Steinwand entspricht der Stelle des gezeigten Durchbruchs. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>6. Neben der sichtbaren Bausubstanz haben Sie im Hintergrund auch eine &#8222;juristische Sanierung&#8220; vorgenommen. Was mussten Sie ordnen, um das Haus f\u00fcr die Zukunft auf ein sicheres Fundament zu stellen?<\/strong><\/p>\n<p>Als ich das Haus \u00fcbernahm, war mir anfangs nicht bewusst, dass die Rechtsfragen rund um<br \/>\ndie Liegenschaft seit langer Zeit ungekl\u00e4rt waren. Dieser Umstand war wohl die gr\u00f6\u00dfte<br \/>\nHerausforderung. Es gab einen historischen Zustand, der \u00fcber Generationen hinweg zwar<br \/>\ngelebt wurde, im Grundbuch jedoch keine durchgehende Entsprechung fand.<\/p>\n<p>Im Klartext bedeutete das, dass das gesamte Areal nicht als Baugrund erfasst war. Da das Haus fast<br \/>\nvollst\u00e4ndig von Kirchengrund umgeben ist und nur ein einziger Nachbar vorhanden ist, waren<br \/>\ndie Kl\u00e4rungen entsprechend langwierig und komplex.<\/p>\n<p>Ich musste diese rechtliche Situation Schritt f\u00fcr Schritt aufarbeiten, was jahrelange Arbeit<br \/>\nbedeutete. Dazu geh\u00f6rten Grenzbereinigungen mit Geometern ebenso wie die Neuvermessung<br \/>\ndes gesamten Areals. Ein entscheidender Meilenstein gelang 2011, als das Geh- und<br \/>\nFahrtrecht \u00fcber die Verbindungsstra\u00dfe dauerhaft im Grundbuch gesichert wurde. Erst dadurch<br \/>\nwurde die Grundlage f\u00fcr die bauliche Weiterentwicklung geschaffen.<\/p>\n<p data-start=\"1594\" data-end=\"2136\">Die Zufahrtsm\u00f6glichkeit zur Stra\u00dfe geht nur \u00fcber einen kleinen Wiesenstreifen. Hinter diesem<br \/>\nist ein Parkplatz auf eigenem Grund m\u00f6glich.<br \/>\nDer Zukauf dieser vorgelagerten, 15 m\u00b2 gro\u00dfen Grundst\u00fccksfl\u00e4che ist vorvertraglich fixiert<br \/>\nund befindet sich in der grundb\u00fccherlichen Umsetzung und es werden dann die<br \/>\nBeh\u00f6rdenantr\u00e4ge in k\u00fcrze \u00fcberreicht.<\/p>\n<p data-start=\"1594\" data-end=\"2136\">Ich \u00fcbergebe das Haus in dem Bewu\u00dftsein es rechtlich und baulich auf eine klare Grundlage gestellt zu haben.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]\"><strong>7. Der P\u00f6stlingberg mit Basilika und Stadtsilhouette ist f\u00fcr die Linzer ein vertrauter Anblick. Das Haus selbst ist als Privatbesitz jedoch kaum bekannt. Was erwartet jemanden, der zum ersten Mal eintritt?<\/strong><\/p>\n<p data-start=\"542\" data-end=\"855\">Absolute \u00dcberraschung. Von au\u00dfen wirkt das Haus eher bescheiden, fast zur\u00fcckhaltend. Beim Eintreten ver\u00e4ndert sich der Eindruck schlagartig: Ein hoher, gro\u00dfz\u00fcgiger Raum \u00f6ffnet sich, der im ersten Moment unerwartet weit wirkt. Dieser Kontrast zwischen \u00e4u\u00dferer Erscheinung und innerem Raum pr\u00e4gt das gesamte Haus.<\/p>\n<p data-start=\"862\" data-end=\"1023\">Man empfindet sofort eine besondere Ruhe und eine erstaunliche Gro\u00dfz\u00fcgigkeit. Viele Besucher beschreiben den Eindruck als etwas, das sie nicht erwartet h\u00e4tten.<\/p>\n<p data-start=\"1030\" data-end=\"1298\">Jeder Raum hat seinen eigenen Charakter und keiner l\u00e4sst erahnen, wie der n\u00e4chste wirkt. Besonders auff\u00e4llig ist die Stille im Haus. Selbst die nahe gelegenen Kirchenglocken sind im Inneren kaum wahrnehmbar, ebenso wenig das rege Leben rund um die Wallfahrtskirche.<\/p>\n<p data-start=\"1305\" data-end=\"1567\">Ein besonderer Ort ist der Essbereich in der unteren K\u00fcche. Er wird von G\u00e4sten oft als besonders angenehm empfunden \u2013 viele bleiben dort deutlich l\u00e4nger sitzen, als sie urspr\u00fcnglich vorhatten. Es ist ein Kraftplatz.<\/p>\n<p data-start=\"1305\" data-end=\"1567\">\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]\"><strong>8. Sie sagen, Sie sehen das Haus als Werk und sind es gewohnt, Werke aus der Hand zu geben. Was w\u00fcnschen Sie sich f\u00fcr das n\u00e4chste Kapitel?<\/strong><\/p>\n<p data-start=\"372\" data-end=\"860\">Ja, dieses Haus ist im Grunde mein gr\u00f6\u00dftes Werk und ich bin stolz auf dieses Haus. Ich habe das gesamte Innere ohne fremde Hilfe konzipiert und Raum f\u00fcr Raum gemeinsam mit dem Baumeister umgesetzt. Ich bin dankbar, dass mir diese M\u00f6glichkeit \u00fcberhaupt gegeben war \u2013 auch unter finanziellen Gesichtspunkten. Insgesamt war es f\u00fcr mich ein gro\u00dfes Privileg, an diesem Haus arbeiten zu d\u00fcrfen, keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Aber ein echtes Werk lebt auch davon, dass man es irgendwann freigibt.<\/p>\n<p data-start=\"867\" data-end=\"1231\">F\u00fcr das n\u00e4chste Kapitel w\u00fcnsche ich mir Bewohner, die das Potenzial und die Vielschichtigkeit dieses Ortes erkennen. Wichtig ist mir dabei vor allem eines: Das Haus soll und darf sich ver\u00e4ndern. Es muss nicht so bleiben, wie es ist, nur weil ich hier meine Vorstellungen umgesetzt habe. Jede Generation bringt eigene Ideen und eigene Formen von Lebendigkeit mit.<\/p>\n<p data-start=\"1238\" data-end=\"1405\">Ich w\u00fcnsche mir, dass die neuen Eigent\u00fcmer diesen gesch\u00fctzten Ort verstehen und ihn nutzen, um ihre eigenen Vorstellungen weiterzuentwickeln. Das Haus ist daf\u00fcr offen.<\/p>\n<p data-start=\"1238\" data-end=\"1405\">\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]\"><strong>9. Das \u201eChristkindl vom P\u00f6stlingberg\u201c und sein Ankauf durch die Di\u00f6zese verbinden Ihr Werk mit diesem Ort. Welche Bedeutung hat diese Verbindung f\u00fcr Sie?<\/strong><\/p>\n<p data-start=\"1138\" data-end=\"1447\">Eine direkte inhaltliche Verbindung zwischen dem Werk und dem Ort gibt es f\u00fcr mich als K\u00fcnstlerin eigentlich nicht. Mein plastisches Arbeiten entsteht unabh\u00e4ngig von der geografischen Situation oder der unmittelbaren Umgebung der Kirche. Das \u201eChristkindl\u201c ist aus einer gedanklichen und spirituellen Auseinandersetzung mit dem Weihnachtsevangelium hervorgegangen und stellt meinen pers\u00f6nlichen Zugang zu diesem Thema dar:<\/p>\n<p data-start=\"1138\" data-end=\"1447\">Das Erdgeborene wird verdeutlicht durch das Material Ton \u2013 die gebrannte Erde. Das Tuch als organisches Gewebe gibt den Hinweis auf die Leibhaftigkeit und verweist in seiner Wickeltechnik bereits voraus auf das Kreuz, das Grabtuch und die sp\u00e4tere Auferstehung. Doch das Eigentliche ist unsichtbar: Das Wesen Gottes ist die unendliche, nicht vorstellbare F\u00fclle. Erst von dieser Geburt an ist Leben in seiner erdhaften und transzendenten Erscheinungsform m\u00f6glich.<\/p>\n<p data-start=\"1138\" data-end=\"1447\">Der Ankauf durch die Di\u00f6zese war f\u00fcr mich vor allem eine Form der Anerkennung dieses Werkes, das auch technisch eine besondere Herausforderung darstellt. Der Bezug zum P\u00f6stlingberg ergibt sich dabei eher \u00fcber den Entstehungsort als \u00fcber den Inhalt des Werkes.<\/p>\n<p data-start=\"1138\" data-end=\"1447\">Die eigentliche Verbindung liegt f\u00fcr mich auf einer anderen Ebene: Das Haus selbst, meine \u201eR\u00f6merburg\u201c, hat mir \u00fcber Jahrzehnte den gesch\u00fctzten Raum gegeben, in dem solche Arbeiten \u00fcberhaupt entstehen konnten. In diesem Sinn ist nicht der Ort pr\u00e4gend f\u00fcr das Werk, sondern das Haus als Arbeits- und Lebensraum.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4100\" src=\"https:\/\/blog.realportico.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/christkindl-poestlingsberg.jpg\" alt=\"\" width=\"824\" height=\"483\" \/><br \/>\nDas Christkindl vom P\u00f6stlingberg:<\/em><br \/>\n<em>Eine keramische Arbeit von Michaela Frank, die von der Di\u00f6zese angekauft wurde.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p data-start=\"1371\" data-end=\"1630\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gespr\u00e4ch mit der K\u00fcnstlerin und Biologin Michaela Frank \u00fcber ihren Dialog mit dem heiligen Ort innerhalb der historischen Festungsarchitektur am P\u00f6stlingberg Linz liegt an der Donau, dort wo das M\u00fchlviertel auf das Alpenvorland trifft. 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